Der Präsident des Wissenschaftsfonds (FWF), Klement Tockner, wünscht sich ein klareres Bekenntnis zu Wissenschaft und Forschung in Österreich.

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Seit mehr als einem Jahr ist der gebürtige Steirer und renommierte Wissenschaftler Klement Tockner Präsident des FWF. Zu seiner profunden Analyse zum Zustand der Wissenschaft in Österreich und in der Welt im Rahmen der Dialogreihe „Geist und Gegenwart“ konnte Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl am 11. Dezember 2017 mehr als 100 Interessierte in der Aula der Alten Universität begrüßen. „Der Titel, unter dem der heutige Abend steht, kann durchaus zweideutig verstanden werden“, so die Landesrätin in ihren einleitenden Worten. „Einerseits befinden wir uns in einer Zeit des Umbruchs: Der digitale Wandel wird all unsere Lebensbereiche massiv verändern, aber auch der Klimawandel oder die Flüchtlingsströme bringen große Veränderungen mit sich. Hier ist die Frage: Was kann die Wissenschaft in solchen Zeiten leisten?“ Aber auch die Wissenschaft selbst befinde sich momentan in einer Umbruchphase. Eibinger-Miedl lobte das positive Klima für die Wissenschaft in der Steiermark „Die Steiermark ist mit ihrer F&E-Quote von 5,16 Prozent das Forschungsland Nummer eins in Österreich. Das liegt an den Universitäten, aber auch an der heimischen Forschungsgesellschaft JOANNEUM RESEARCH, und nicht zuletzt an der exzellenten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in unserem Land.“

Tockner betonte in seinem Vortrag die Bedeutung der Ausgewogenheit zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung. „Grundlagenforschung ist eine Versicherung für unsere Gesellschaft für jene Herausforderungen, die wir noch gar nicht kennen“, so der Biologe. Es gelte, die Mittel klug einzusetzen; so sei eine starke nationale Forschungsförderung die Basis für Erfolg auf der europäischen Ebene. „Österreich braucht ein Bündnis für Spitzenforschung in der Zukunft, und wir brauchen eine gezielte Nachwuchsförderung“, mahnte Tockner. Derzeit sei Österreich ein Exportland für exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler; die Innovationskraft wandere somit in andere Länder ab.

Der renommierte Wissenschaftler zeigte aber auch auf, dass das jährliche globale Wissenswachstum von zirka fünf Prozent nicht unbedingt einen Zugewinn an Wissen für den Einzelnen bedeutet. „Die Zunahme an Daten und Informationen führt nicht zwangsläufig zu einer Zunahme an Wissen. Derzeit ist es so, dass Wenige viel wissen, aber Viele leider nur wenig.“ Dabei sei es essenziell, Erkenntnisse zu einem Gemeingut zu machen.

Im Anschluss an das spannende Referat führte Herwig Hösele, Koordinator und Mastermind der Dialogreihe „Geist und Gegenwart“ sowie der biennalen Pfingstdialoge, durch eine angeregte Diskussion.

Die Präsentation von Klement Tockner finden Sie hier.