Profilierter ORF-Korrespondent bot tiefe Einblicke in die Situation der beiden Krisenherde in Europa.

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Fast 200 Interessierte konnte Wissenschaftslandesrat Mag. Christopher Drexler am 10. Oktober in der Aula der Alten Universität bei einer weiteren Folge der Dialogreihe „Geist und Gegenwart“ begrüßen. Kein Wunder, war der Gast doch hochkarätig und das Thema brisant: Mag. Christian Ferdinand Wehrschütz leitet die ORF-Korrespondentenbüros in Belgrad und Kiew und verfügt über fundierte Sachkenntnis über das Geschehen vor der Haustüre der EU. „Wir haben heute ein spannendes Thema und einen exzellenten Referenten, der noch dazu aus Graz kommt“, so Landesrat Drexler bei seiner Begrüßung.

Wehrschütz lieferte im Anschluss einen Vergleich zwischen dem Balkan und der Ukraine, den er mit zahlreichen Grafiken und Fernsehbeiträgen illustrierte. Wie unterschiedlich und doch in einigen Bereichen ähnlich die Voraussetzungen der beiden Regionen sind, zeigte er anhand folgender Beispiele: „Der Balkan ist ein sehr heterogenes Gebiet, Montenegro hat etwa 700.000 Einwohner, Serbien sieben Millionen. Der Balkan war immer die kulturelle Wasserscheide Europas. Die Ukraine ist mit rund 44 Millionen Einwohnern doppelt so bevölkerungsreich wie der Balkan. Sie ist zwar großräumig, aber dennoch auch sehr heterogen.“  Beide Regionen streben in Richtung EU – doch führen die Nachwirkungen der Zerfallskriege im ehemaligen Jugoslawien dazu, „dass die Staaten des Balkans nie eine gemeinsame Linie in Richtung EU und NATO gefunden haben.“ Die Ukraine habe diese Problemlage nach außen nicht, hier gäbe es einen klaren Zug in Richtung Westen. „Das Land kämpft aber mit enormen sozialen Unterschieden, Reformen sind ungeheuer schwierig“, so der Experte. Für ihn ist der Balkan der „weiche Unterleib Europas“, eine Region, die alleine nicht für Stabilität sorgen könne. „Deswegen müssen die EU und die NATO mithelfen, diese Region endgültig zu stabilisieren.“ Die Ukraine ist für Wehrschütz „das wichtigste Projekt seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion. Sie ist das einzige Land der ehemaligen Sowjetunion, das sich um Demokratie bemüht – dabei müssen wir die Ukraine unterstützen.“

Im Anschluss führte der Leiter des Ressorts Außenpolitik der Kleinen Zeitung, Mag. Stefan Winkler, durch eine angeregte Diskussion. Wehrschütz‘ Fazit: „Das Zentrum Europas liegt in der Ukraine. Dieses Land braucht klare Beitrittsperspektiven zur EU.“