• Deutsch

Partners

Das Land Steiermark

Diözese Graz-Seckau

JOANNEUM RESEARCH

Club Alpbach Steiermark

Media partners


kleine_www_20-50mm_rgb_kl

vecernji-list_logo.png

poslovni-dnevnik_logo.png

zurnal-24_logo.png


"Europa ist ein Taumel" (Do, 09.06., 20:00)

Zum Abschluß des Programms des zweiten Tages bot die Glockenwiese den perfekten Rahmen für eine kurze Reise durch die europäische Literatur, Umrahmt von Nußbaum und brennenden Fackeln lasen Barbara Frischmith, Ruth Klüger, Susanne Scholl, György Dalos, Kurt Weibel und Lojze Wieser in seiner Rolle als Moderator aus eigenen und ausgewählten Texten.

Die Eröffnung machte Lojze Wieser mit "Was ist ein Gedicht?" des slowakischen Dichters Milan Rúfus. 

Etwas Greifbares: auf den Tisch
wie Brot oder Wasser gelegt
oder wie Salz zwischen zwei Fingern. So ist ein Gedicht.

 Und so sind auch alle weiteren Texte Geschichten, die etwas greifbar machen: Europa geht schon heute viel weiter als seine politischen Grenzen.

Verschiedenste Aspekte des europäischen Erlebens werden den auf Sesseln und Decken versammelten Zuhörern vermittelt: Erinnerungen an Krieg und Flucht, Reflektionen über Religion und Politik, Kritik an und humorvolle Verarbeitung von Geschichte. Definitionen von Freiheit wechseln sich ab mit solchen von Europa, und es werden Wege aufgezeigt, die aktuellen Krisen zu überwinden. "Man kann kommunizieren, wenn man will", sagst Susanne Scholl in ihrem Text, und meint, dies sei etwas, das Europa ausmachen könnte. "Europa hat sich immer wieder selbst umgeschrieben.
Dies ist seine Kraft, seine Innovation und sein Wesen." lautet eine der Aussagen Kurt Weibels. Ein Buonanotte von Bischof Herman van Luyn schließt den Abend mit einer Geschichte, die ein erfolgreiches aktuelles Beispiel für diesen Prozess des 'Umschreibens' vorlegt.

 

Vorgestellte Texte:

Barbara Frischmuth liest "Das seltsamste Geschöpf auf Erden" von Nazim Hikmet und die Schlußsätze ihres Essays "Kann der Glaube Berge versetzen, und wenn ja, wie hoch dürfen sie sein?" aus Vom Fremdeln und vom Eigentümeln

Ruth Klüger liest "Mit einem Jahrzeitlicht für den Vater" und aus dem Kapitel "Flucht", beides aus Weiter leben. Eine Jugend,  und "Wiener Neurosen" aus unterwegs verloren. Erinnerungen

Susanne Scholl liest einen speziell für den Dialog verfassten Text zum Thema "Europa erzählen"

György Dalos liest aus  Proletarier aller Länder, entschuldigt mich! Ende des Ostblockwitzes

Peter Weibel liest einen speziell für den Dialog verfassten Text

Lojze Wieser liest "Was ist ein Gedicht?" von Milan Rúfus, "Das Brot auf dem Tisch" von Slavko Mihalic und "Kein Weg führt zurück" von Erich Prunc

 

von Barbara Schweinzer

 
Bischof Adrianus Herman van Luyn: „ Woran Europa sich erinnern soll?“

Das Europa der letzten Jahrzehnte ist gezeichnet von Krisen, zu deren letzteren die Wirtschafts- und Finanzkrise, sowie die Eurokrise zählen. Europa befindet sich in einer Art Dauerkrise, die Zukunft scheint unsicher. Nicht zuletzt auch deshalb nehmen Gedenkfeiern in ganz Europa zu. Diese laufen zwar alle nach einem ähnlichen Muster ab, sind aber eigentlich grundverschieden. Obwohl Europa eine gemeinsame Vergangenheit hat, hat es keine gemeinsame Geschichte.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sollte eine gemeinsame europäische Geschichte und ein europäisches Gemeinschaftsgefühl durch die Versöhnung und Zusammenarbeit der beiden Hauptgegner, Frankreich und Deutschland, geschaffen werden. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs schien eine gemeinsame europäische Identität in greifbarer Nähe. Trotz alledem existiert bis heute keine Geschichte, die von allen Europäern gleichermaßen erzählt wird.

Die EU beruht auf dem Zusammentreffen zweier unterschiedlicher geistiger Strömungen und nur wenn dieser spirituelle Anfang bedacht wird, kann ein gemeinsames Europa funktionieren. So schmerzliche manche Erinnerungen auch sein mögen, sind sie auch die Voraussetzung für Versöhnung. „Nur die Wahrheit kann uns freimachen, die nichts hinzufügt und nichts weglässt.“

Es wird nicht die Aufgabe der Kirche sein eine europäische Meistererzählung zu schaffen, aber die Kirche wird sehr wohl darauf achten, wie und wo solche Erzählungen entstehen um zu verhindern, dass Menschen ausgegrenzt werden.

von Lisa Stücklschweiger

 
Die Lebensnotwendigkeit von Erzählungen (Fr, 10.06.11, 10:30)

In seinem Impuls reflektierte Univ.-Prof. Mag. Dr. Manfred Prisching über die Zukunft der Erzählungen Europas und bietet damit eine hervorragende Einleitung für die darauffolgende Diskussion. Verändern sich die Erzählungen über Europa? Werden Erzählungen überwunden oder vergessen? Und wie weit reichen Europas Erzählungen?

Natürlich verändern sie sich, aber alte Erzählungen verschwinden nicht – ihnen werden Gegenerzählungen gegenübergestellt. Die verschiedenen Erzählungen Europas und ihre unterschiedlichen Deutungen bilden einen globalen Gesamtdiskurs, der so vielfältig ist wie die Wirklichkeit. Dieser Flickenteppich ist die beste Geschichte, die Europa zur Verfügung hat, unterhöhlt jedoch auch das Vorhaben einer gemeinsamen Geschichte. Doch Erzählungen helfen, mit der Wirklichkeit fertig zu werden und werden so lebensnotwendig.

Von Christine Neuper

 
Europe talks. Bischof Egon Kapelari im Gespräch

Welche Geschichte erzählt Europa?

Europa birgt eine unvergessliche Geschichte, die nach oben offen ist. Das Christentum ist sehr präsent in Europa und trägt die Zivilgesellschaft heute mehr als es den meisten bewusst ist oder als in den Medien kommuniziert wird.

Welche Rolle spielt dabei die Bibel?

Die biblische Geschichte schließt eine Reihe von Geschichten in sich. Das Narrative ist groß. Die Bibel hat den Auftrag zu erzählen und prägt das Leben gestern, heute und morgen.

Europa in Zukunft?

Die EU muss stabil sein. Einzelwünsche müssen in Beziehung zum General gesehen werden. In diesem globalen Konzert muss man Mitsprechen dürfen auch wenn es manchmal unangenehm ist. Europa ist Plural. Es wird nicht immer Harmonie herrschen, wir sind ja nicht im Paradies. Eine faire Koexistenz, vor allem der unterschiedlichen und auch in sich selbst inhomogenen Religionen muss aber möglich sein können.

Ihr Wunsch?

Ich wünsche mir ein Europa Projekt, das voran geht, ich sehe im Moment keine viel bessere Alternative.

 

von Christina Kropf

 
Europe talks. Der Literat Prof. Lojze Wieser im Gespräch

Einen Satz zum Europabegriff wie sie ihn verstehen:

Raznolikost Ni Enoloncnica – Verschiedenheit ist kein Eintopf!

Gibt es eine europäische Identität?

Wenn Menschen von Identität zu reden beginnen, läuft irgendetwas falsch. Man muss vorsichtig sein mit solchen absolutistischen Aussagen. Man muss sich die Geschichte des Einzelnen anhören, dann kann man die Seele der Menschen spüren und sehen.

Die Zukunft Europas?

Der Mensch darf nicht des Menschen Wolf sein. Achtung und Würde muss für jeden möglich sein. Man muss mit anderen auf gleicher Augenhöhe sprechen, dann erkennt man Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wenn man dem anderen in die Augen sieht man aber meist sich selbst. Kultur soll die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln werden.

 

 von Christina Kropf

 
<< Start < Prev 1 2 3 4 Next > End >>

Results 1 - 9 of 29