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Zum Abschluß des Programms des zweiten Tages bot die Glockenwiese den perfekten Rahmen für eine kurze Reise durch die europäische Literatur, Umrahmt von Nußbaum und brennenden Fackeln lasen Barbara Frischmith, Ruth Klüger, Susanne Scholl, György Dalos, Kurt Weibel und Lojze Wieser in seiner Rolle als Moderator aus eigenen und ausgewählten Texten. Die Eröffnung machte Lojze Wieser mit "Was ist ein Gedicht?" des slowakischen Dichters Milan Rúfus. Etwas Greifbares: auf den Tisch wie Brot oder Wasser gelegt oder wie Salz zwischen zwei Fingern. So ist ein Gedicht. Und so sind auch alle weiteren Texte Geschichten, die etwas greifbar machen: Europa geht schon heute viel weiter als seine politischen Grenzen. Verschiedenste Aspekte des europäischen Erlebens werden den auf Sesseln und Decken versammelten Zuhörern vermittelt: Erinnerungen an Krieg und Flucht, Reflektionen über Religion und Politik, Kritik an und humorvolle Verarbeitung von Geschichte. Definitionen von Freiheit wechseln sich ab mit solchen von Europa, und es werden Wege aufgezeigt, die aktuellen Krisen zu überwinden. "Man kann kommunizieren, wenn man will", sagst Susanne Scholl in ihrem Text, und meint, dies sei etwas, das Europa ausmachen könnte. "Europa hat sich immer wieder selbst umgeschrieben. Dies ist seine Kraft, seine Innovation und sein Wesen." lautet eine der Aussagen Kurt Weibels. Ein Buonanotte von Bischof Herman van Luyn schließt den Abend mit einer Geschichte, die ein erfolgreiches aktuelles Beispiel für diesen Prozess des 'Umschreibens' vorlegt. Vorgestellte Texte: Barbara Frischmuth liest "Das seltsamste Geschöpf auf Erden" von Nazim Hikmet und die Schlußsätze ihres Essays "Kann der Glaube Berge versetzen, und wenn ja, wie hoch dürfen sie sein?" aus Vom Fremdeln und vom Eigentümeln Ruth Klüger liest "Mit einem Jahrzeitlicht für den Vater" und aus dem Kapitel "Flucht", beides aus Weiter leben. Eine Jugend, und "Wiener Neurosen" aus unterwegs verloren. Erinnerungen Susanne Scholl liest einen speziell für den Dialog verfassten Text zum Thema "Europa erzählen" György Dalos liest aus Proletarier aller Länder, entschuldigt mich! Ende des Ostblockwitzes Peter Weibel liest einen speziell für den Dialog verfassten Text Lojze Wieser liest "Was ist ein Gedicht?" von Milan Rúfus, "Das Brot auf dem Tisch" von Slavko Mihalic und "Kein Weg führt zurück" von Erich Prunc von Barbara Schweinzer |